WER WIR SIND

Video: Der Schnackenhof

GESCHICHTE

Große Stehende (Undine) – Lindenholzskulptur Jörg Amonat, Berlin

Der „Schnackenhof“ wurde 1995 von Reinhard Knodt (www.reinhard-Knodt.de) mit Studenten der Nürnberger Akademie und Freunden als Philosophiesalon und Denkort in einem Abbruchhaus in einem großen Garten am Pegnitzufer begründet, nachdem die Anlage zu diesem Zweck notdürftig saniert war. Relativ schnell schlossen sich andere Initiativen im Dreieck, Kunst, Religion und Philosophie an. Mit der Fotojournalistin und Philosophin Michaela Moritz entwickelten sich die Philosophiereisen (Philosophie für Kreative) mit dem Präsidenten der internationalen Heideggergesellschat Harald Seubert entwickelte sich der Gedanke einer hauseigenen Akademie. Mit Undine Stier, zogen der Buddhismus und die Meditation als neue Aspekte ein und so entfaltete sich im Lauf der Jahre ein kleines Philosophiezentrum mit eigenständigem Charakter, das seinen Namen „Schnackenhof“ von der Strasse herleitet, an der es liegt.

Teezeremonie im Schnackenhofgarten

2. DIE STRUKTUR

Unsere Struktur ist gekennzeichnet einerseits durch den Austausch der Künste untereinander, andererseits durch viele interkulturelle Aktivitäten vor allem im Austausch mit Indien, China und Japan, aber auch mit dem Islam. Dazu kommt ein Faible für ostasiatische Kulturtechniken (Zengärten) bei vielen Teilnehmern und auch kühne Grenzüberschreitungen zwischen Philosophie, Kunst und Religion, die den Charakter der Treffen bestimmen.

Jahresrhythmus: Im Wesentlichen gibt es vier jahreszeitlich gebundene Salons, eine jährliche Kunstausstellung („Kaffee für Witwen und Waisen“), drei jährliche Philosophiereisen sowie die „Philosophietage“, die im Stil einer Epikureischen Gartengesellschaft abgehalten werden. Neuerdings gibt es noch „Philoquium“, in dem die Teilnehmer monatlich auf Einladung in Vortrag und Diskussion nach Innovationen in der Philosophie suchen oder einschlägige Neuerscheinungen diskutieren.

3. DIE FÖRDERER DES SCHNACKENHOFS

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Der Schnackenhof lebt ausschließlich von Zuwendungen und ist ohne das Zusammenspiel von Unterstützerpersönlichkeiten und Aktiven nicht zu denken. Zunächst war es das Haus selber, das durch Richard Hengl 1995 zur Verfügung gestellt wurde und das heute Angelika Hengl als förderndes Mitglied des Trägervereins mit privaten Zuschüssen weiterpflegt. Der nächste Schritt war der Förderverein im Jahr 2000 und die Freundschaft mit Unternehmern wie Jürgen Tewes (T-Bau) oder Gerhard Güttinger (OBI) die uns unterstützten und oft auch thematisch inspirieren. („Urbi et Obi…“…) Zur Zeit deutet sich mit der Gründung einer Sommerakademie eine zweite Institution an, der die überregionale Ausstrahlung unserer Aktivitäten abbildet und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an den Schnackenhof binden soll. Diesem gehören (als Präsident) der Islamwissenschaftler und Menschenrechtspreisträger Reza Hajatpor an, genauso wie der Künstler René Böll, oder der Diplomat und ehemalige Präsident der Humboldtgeselslchaft Manfred Osten.

Ritsuko Takeyama auf den Philosophietagen 2018

Zur Zeit der „Sommerakademie“ verwandelt sich das Gelände des Schnackenhofs Anfang August über mehrere Tage in einen Garten der Philosophie, in dem die Aktiven Künstler und Schriftsteller, Philosophen und sonstige Hasardeure des besseren Leben Themen einer „Philosophie der Kulturen“ aufwerfen und auch versuchsweise einige Tage „interkulturell“ zusammenleben.

Ashok Gangadean (Haverford College) im Schnackenhof
Barbara Lemke (Zenbogen-Unterrichtung)
Martin Kämpchen (Shantinikketan) im Schnackenhof
Sonnwendfeuer

 

UNSERE LEITLINIE

In einer Welt der gewohnheitsmäßig ökonomisch- technischen und nur gelegentlich moralischen Rücksichten fragen wir  stattdessen danach, wie menschliches Leben im Ganzen gelingen kann. Dass ein Leben nicht richtig oder falsch, effektiv oder ineffektiv sein kann, sondern nur „gelungen“ oder „misslungen,“ zeigt, dass technische und ethische Überlegungen allein nicht ausreichen, um unser Handeln zu leiten. Vollständig wird unsere Handlungsorientierung erst aus ästhetischen Erfahrungen heraus, also aus den Erfahrungen der Kunst, die ihrerseits auf die Erfahrung der Liebe, der Sehnsucht, der Harmonie mit der Natur, der Religion, des Körpers und ähnliche Aspekte verweist. Gemessen an diesem Anspruch ist unsere Gesellschaft reichlich barbarisch organisiert und betrachtet Kunst und Kultur als schönes nebenbei, dem die Bereicherung, die Übersättigung und Primat des Angenehmen herrschen. Insoweit sind wir keine Mitspieler im allgemeinen Kultur- und Sportbetrieb unserer Umegbung, sondern haben ganz entschieden andere Vorstellungen.  

Das „Undinenopfer“

Eine wichtige Grundbedingung des Ästhetischen ist die Erfahrung unserer Umgebung. Unsere Umgebungen sind normalerweise technisch aufgefasst, – etwa als Ressource und auch vielfach technisch geworden. Selbst in den Häusern, in denen wir leben, unterwerfen wir ästhetische Aspekte den Fragen der Technik oder der Ökonomie. So ist es uns zum Beispiel viel wichtiger, dass unsere Häuser gut isoliert sind, als dass sie eine Gestalt oder ein „Gesicht“ haben. Es ist uns heute wichtiger, „praktische“ und pflegeleichte Gegenstände zu haben, als schöne. Wir bauen heute vielfach nach technischen und ökonomischen Gesichtspunkten und montieren nachträglich „Kunst“ an unsere Bauten, statt die Bauwerke selber nach ästhetischen Gesichtspunkten aufzuführen und zu fragen, wie wir in ihnen „wohnen“ wollen. Opfern wollen wir für unsere Ideen gar nichts – wenn wir überhaupt welche haben. Stattdessen zerstören wir laufend Landschaft,  um ein gesellschaftliches Leben, das ganz offenbar an der falschen Verteilung von Gütern leidet als an ihrem Mangel, noch reicher und damit noch ungleichgewichtiger zu machen.

Man könnte noch mehr solche Beispiele bringen, die zeigen, dass das Ästhetische nicht etwa ein schöner Nebenaspekt, sondern der stark vernachlässigte Hauptaspekt unseres modernen Handelns und Lebens ist und dass eine neue Konzentration auf  „Aisthesis“ – also ein ehrlicher Umgang damit, was wir spüren und leiden, hochaktuell ist. Der Mensch ist nicht nur ein homo faber oder ein politisches Wesen, sondern auch „Künstler“, d.h. ein kreatives Wesen, das ästhetische Korrespondenzen zu seiner Welt aufbaut. Unsere Beschäftigung mit solchen Fragen, deren philosophische Reflexion, Fragen der Lebensführung, der Wahrnehmung und Umgebungsgestaltung, sowie eine entsprechende auch in die Öffentlichkeit hinein wirkende Praxis ergeben sich aus dieser Auffassung. Alle Bemühungen des Schnackenhofs ergeben sich aus dieser Leitlinie.

Gartentafel im Schnackenhof

UNSERE MITTEL

Wir verbinden Musik, bildende Kunst und Literatur zu besonderen Festformen, vom „Maientanz“ (Volkstanzgruppen der Region) über den „Kaffee für Witwen und Waisen“ (Ausstellung mit Kaffeetafel für bilderinteressierte Senioren) bis hin zu Sonnenwendfeiern (die mit Musik, Kunst und Vorträgen zur Kosmologie begangen werden).

Teeschalenausstellung Thomas Riesiger

IM GANZEN:

Wir suchen unser Heil nicht in der Unterscheidung und Abtrennung von wissenschaftlichen oder kulturellen Sparten,wie sie oft im offiziellen Förderdschungel begegnen, sondern im Zusammenklang des Unterschiedlichen in Theorie und Praxis. Wir glauben nicht, dass es nur ein Grundübel gibt, an dem die Welt leidet und von dem her man sie retten kann. Vielmehr gehen wir davon aus, dass wir bei uns selber anfangen müssen. – Dass der Gärtner dem Philosophen und der Philosoph dem Musiker und dieser wiederum dem Koch etwas zu sagen hat und dass alle zusammen wertvolles Leben gestalten. Dieses Gestalten selbst betrachten wir als Erkenntnisverfahren das lehrt, vom Eigenen abzusehen.

Wir sind keine radikalen Aufklärer, sondern halten es aus philosophischen Erwägungen sogar für möglich, dass der Betende dem Denkenden etwas zu geben hat und der Denkende dem Religiösen. Vernunft ist für uns nicht theoretisch oder praktisch, sie bildet sich vielmehr ständig in der Suche nach dem Miteinander heraus, d.h. in der Suche nach gelingendem Zusammensein auch mit dem scheinbar Fremden. So viel wie wir uns einbilden, unterscheidet uns nicht von unseren Nächsten, und Glück entsteht im bedeutungsvollen Zusammensein, ganz gleich wie groß oder klein die Welt ist, in der wir uns bewegen und wie weit unsere Pläne reichen mögen. Dass es nicht die Augen sind, mit denen wir am besten sehen, lehrte die griechische Philosophie, und dass, was uns scheinbar „begegnet“ immer auch wir selber sind, lernen wir von der indischen Philosophie.

Der blinde Seher (Bronze) Gustav Mayer, München

CHARAKTERISIERUNGEN

Der Schnackenhof ist vielfach charakterisiert worden, als „Institut für spielerischen Ernst“ (Tagespresse), als Festforschungsverein und Treff der letzten Yogis unter den Philosophen. Der SPIEGEL stellte unsere Aktivitäten in einem größeren Artikel als „Dienstleistung am Geist“ dar.

Volker Heubel (z. Zt. China)

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen und auch das Essen und der Wein im Schnackenhof sind  frei. „Retreats“, Übernachtungen und die Benutzung unserer Bibliothek sind möglich. Spenden werden erwartet. Größere Zuwendungen können von der Steuer abgesetzt werden. 

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Opfernder Buddha: Spende Gerhard Güttinger (OBI)

HINWEIS: Wir nehmen auch Stipendiaten auf – früher in Zusammenarbeit mit der Nürnberger Akademie der bildenden Künste (Austausch mit Polen), vor zwei Jahren aus dem Fergusson-College (Mumbay, Indien) und (zur Zeit) aus Columbien. Eine Kooperation mit dem Internationalen Haus der Stadt Nürnberg und Charkiv (Ukraine) ist in Vorbereitung. Wir unterstützen junge Künstler, Sprach- und (Geistes!)- wissenschaftler durch verbilligte Aufenthaltsmöglichkeiten und Integrationshilfen.

WIR DANKEN UNSEREN FÖRDERERN!